Fragen an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Sundern

März 22, 2013 in Allgemeines von Mechthild Montag

Die Planungen zum Ferienpark in Amecke scheinen in Kürze in eine entscheidende Phase zu treten. So hatte der Bürgermeister im Rahmen eines Gespräches mit der BI noch für März eine Vorstellung der Pläne der Investoren angekündigt. Unmittelbar danach soll der Bebauungsplan an diese Pläne angepasst werden, damit der Baubeginn im Herbst oder spätestens Ende des Jahres erfolgen kann. Nunmehr soll der Planungsausschuss am 18.04. über den Stand der Planung unterrichtet werden. Mit Schwierigkeiten bei der baurechtlichen Umsetzung rechnen der Bürgermeister und die Stadtverwaltung offensichtlich nicht.

Aus unserer Sicht ist dieser Zeitplan, angesichts der vielen offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Ferienpark, sehr eng. Nachfolgend haben wir einige Fragen zusammengestellt, deren Beantwortung uns für eine Beurteilung des Vorhabens unabdingbar erscheinen:

1.  Auf Nachfrage hat uns der Bürgermeister eine Liste von Links zu Ferienparkprojekten zur Verfügung gestellt, die vom Investor Stepinvest gebaut worden seien. Leider lässt sich allein aus den im Internet verfügbaren Informationen die Rolle der Fa. Stepinvest im Zusammenhang mit den Ferienparkprojekten nicht nachvollziehen. Folgendes Zitat aus einer Mail von Herrn Egging an den Bürgermeister trägt unserer Ansicht nach ebenfalls nicht zur Klarheit bei: „Bei allen Projekten sind Herr Joosten und Ich einbezogen als Finanzier“. Dazu fragen wir:

  • Welche Rolle hat die Fa Stepinvest bei den Referenzobjekten übernommen? Projektierer? Geldgeber?
  • Hat der Stadtrat und/ oder die Stadtverwaltung über den möglichen Investor einen Due Diligence Report, in denen der Investor    finanziell, organisatorisch und qualitativ überprüft wird, erstellt bzw. erstellen lassen? Wenn ja: Mit welchem Ergebnis? Wem ist der Report zugänglich? Wenn nein: Warum nicht? Wird noch ein Report erstellt?
  • Welche Funktion haben Herr Egging und Herr Joosten bei der Fa. Stepinvest?
  • Hat die Stadt das Ferienparkgelände bzw. die Option einen Ferienpark zu bauen im Wettbewerb vermarktet? Haben sich andere Investoren beworben?
  • Wer verhandelt für die Stadt mit der Fa. Stepinvest ?
  • Warum sind die Amecker Vertreterinnen und Vertreter im Stadtrat an den Verhandlungen und Gesprächen mit dem Investor nicht beteiligt worden?
  • Wann stellt sich der Investor und der Betreiber des Ferienparks  in Amecke vor?
  • Hat die Stadtverwaltung oder der Bürgermeister mit anderen Gemeinden, in denen der Investor Stepinvest bzw. deren Repräsentanten aufgetreten sind, gesprochen und Referenzen erfragt? Wenn ja: Mit welchen Gemeinden wurde Kontakt aufgenommen? Welche Erkenntnisse ergaben sich aus den Kontakten? Wenn Nein: Warum nicht?
  • Der Presse war zu entnehmen, dass die Stadt Verträge mit dem „Investor“ geschlossen habe, um der Wohnbevölkerung die Benutzung der entstehenden Freizeiteinrichtungen zu marktüblichen Preisen zu garantieren. Wer ist konkret Vertragspartner der Stadt?
  • Wann können Bürger von Amecke und Vertreter der BI alle Verträge einsehen, welche die Stadt Sundern mit “den Investoren” oder dessen Vertretern unterzeichnet haben?
  • Welche Zusagen sind den „Investoren“ gemacht worden bevor diese die Grundstücke erworben haben? Sind erste Genehmigungsbescheide an Herrn Joosten, Herrn Egging oder einer durch sie oder andere juristische Personen vertretenen Gesellschaften ergangen?

2. An die Bauleitplanung stellt das BauGB hohe Anforderungen: „Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten.“ (§ 1(5) BauGB) Unser Eindruck ist, dass die erwarteten Pläne des Investors als Bebauungsplanänderung unverändert und ohne weitere Prüfung und Diskussion durchgewunken werden sollen. Je länger die Pläne auf sich warten lassen, so unsere Befürchtung, desto größer wird der Zeitdruck. Dazu unsere Fragen:

  • Wer erstellt die Baupläne für den Investor?
  • Welchen Prüfungen werden die Pläne des Investors noch unterworfen?
  • In welcher Form wird die Bebauungsplanänderung, über die gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrensschritte hinaus, der Amecker Bevölkerung vorgestellt?
  •  Stehen die Planer des Investors der Amecker Bevölkerung für Fragen und eine ergebnisoffene Diskussion zur Verfügung?
  • Einige der „Referenzobjekte“ des Investors (z.B. Eifeler-Tor) weisen darauf hin, dass die Häuser unmittelbar an private Eigentümer weiterveräußert werden. Wie kann sichergestellt werden, dass die Häuser überhaupt langfristig für eine zentrale Vermietung als Ferienpark zur Verfügung stehen? Gibt es vertragliche Bindungen und wie lange gelten diese? Hat die Stadt überhaupt Einfluss darauf?

3. Stadt, Stadtmarketing und Bürgermeister haben hohe Erwartungen an die Auswirkungen des Parks für die Entwicklung der Stadt Sundern. Es werden erhebliche Impulse für die örtliche Wirtschaft erwartet. Der Presse konnte vor einiger Zeit sogar entnommen werden, dass auch die desolate Haushaltslage der Stadt Sundern vom Ferienpark profitieren könne. Allerdings liegt bislang noch kein Geschäftsmodell des Investors oder des Betreibers vor, welche eine solche Einschätzung erst ermöglichen würde. Wir teilen daher die optimistischen Prognosen nicht und haben dazu folgende Fragen:

  • Gibt es ein unabhängiges Gutachten, das die Auswirkungen des Ferienparkes für die lokale und regionale Wirtschaft untersucht hat?
  • Wird ein unabhängiges Gutachten, nach Vorliegen der Informationen zum Betreiberkonzept, noch eingeholt?
  • Liegt ggf. ein vergleichbares Gutachten beim Investor/Betreiber vor und wird dies der Bevölkerung zugänglich gemacht? Wenn nein: Warum nicht?
  • Welche konkreten Untersuchungen und Berechnungen liegen den Einschätzungen der Stadtverwaltung hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen des Parks zugrunde?
  • Welches Gutachten liegt der Einschätzung des gültigen Bebauungsplanes zugrunde, dass nur ein Park mit 220 Gebäuden wirtschaftlich zu betreiben ist?
  • Hat sich die Stadt bei der Planung des Ferienparks beraten lassen oder wurden Informationen bei Gemeinden eingeholt, in deren Bereich vergleichbare Objekte geplant wurden? Wenn nein: Warum nicht?
  • Wer hat die Stadt ggf. beraten?
  • In welcher Höhe sind der Verwaltung Kosten für Flächennutzungsplanänderung, Änderung des Bebauungsplans, diverse Gutachten entstanden? Wer trägt diese Kosten? Hat der Investor der Stadt Planungskosten erstattet? Sind ggf. erste Kostenbescheide bzgl. des geplanten Ferienparks verschickt worden? Bitte geben Sie die genauen Forderungen an.

4. Am Ferienpark entsteht neue touristische Infrastruktur, die mit bestehenden Einrichtungen am Sorpesee in Konkurrenz tritt. So dürfte der gerade neu entstehende Nordic-Ferienpark der Sorpesee GmbH durch das zusätzliche Angebot von mehr als 220 Ferienhäusern in unmittelbarer Nähe kaum profitieren. Die Einrichtungen im Haus des Gastes in Langscheid, die ebenfalls kaum wirtschaftlich zu betreiben sein dürften, erhalten durch ein neues Angebot in Amecke ebenfalls Konkurrenz, gleiches gilt für das Hallenbad in Sundern.

  • Gibt es ein Gesamtkonzept für die touristische Erschließung und Entwicklung der Sorpetalsperre?
  • Wenn Ja: Wo kann das Konzept eingesehen werden? Wie alt ist es?  Wer hat es erstellt? Wenn Nein: Warum nicht?
  • Sind Auswirkungen der Ferienparkplanung bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für die Investitionen der Sorpesee GmbH in den Nordic Ferienpark berücksichtigt worden? Wenn ja: Wie? Wenn Nein: Warum nicht?

Aktuelles Update:

Die unkommentierten Antworten des Rats der Stadt Sundern (Vorlage zu Ratssitzung vom 25.04.2013) zu den oben gestellten Fragen finden sie hier

Antwort des Bürgermeisters auf den offenen Brief

März 22, 2013 in Ferienpark von Mechthild Montag

Sehr geehrte Frau Neiteler,

zunächst bitte ich um Verständnis, aber die Projektarbeit “Regionale 2013″ ist sehr aufwändig und bindet viele Ressourcen, steht aber auch unter zeitlichem Druck aufgrund der Förderungen. Diese Aufgaben wurden zunächst angegangen, ich gehe aber davon aus, dass das Protokoll bis Ende dieser Woche vorliegen wird.

Die Fragen bezüglich der Projekte etc. habe ich an den holl. Partner weiter geleitet mit der Bitte um Klarstellung. Sobald mir die Antwort vorliegt, werde ich mich umgehend wieder melden.

Eine Information noch vorab: Informationen zum aktuellen Projektstand werden die Investoren in der kommenden Sitzung des Umwelt- u. Planungsausschusses am 18.4.2013 geben.

Mit freundlichen Grüßen

D. Lins

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Detlef Lins
Stadt Sundern (Sauerland)
-Bürgermeister-
Rathausplatz 1
59846 Sundern (Sauerland)

Offener Brief an den Bürgermeister vom 18.03.2012

März 22, 2013 in Ferienpark von Mechthild Montag

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir möchten Sie nun auf diesem Weg daran erinnern, uns die bei unserem Treffen vom 18.02.2013 zugesagten Informationen zukommen zu lassen.

Natürlich haben wir Verständnis, dass das Protokoll nicht sofort geschrieben werden konnte, aber inzwischen sind 4 Wochen vergangen und bereits am 19.2.13 wurden diverse Informationen aus diesem Gespräch veröffentlicht. Des Weiteren warten wir noch auf den Namen und die Adresse des mit der Planung beauftragten Architekturbüros.

In Ihrer Email vom 07.03.2013 äußerten Sie, dass Ihres Wissens nach der Ferienpark Eifeler Tor das aktuellste Projekt des Investors sei. Unsere Recherchen ergaben jedoch, dass dort weder die Firma Stepinvest noch die Herren Joosten und/ oder Egging bekannt sind. Auch die anderen Referenzobjekte sind nicht wirklich aussagekräftig, da bis auf eine Anlage noch keine im Bau bzw. im Betrieb ist. Das einzige ältere Referenzobjekt war zudem in 2009 bereits einmal in Schwierigkeiten, so dass Handwerkerrechnungen nicht beglichen werden konnten. Eine Einbindung von Stepinvest, Joosten und/ oder Egging ist bei keinem Projekt ersichtlich.

Wir möchten wissen, was hier entsteht und uns ein Bild davon verschaffen, wie Sie es sich hoffentlich auch gemacht haben, mit wem wir es zu tun haben. Auch aus diesem Grund erarbeiten wir zur Zeit einen Fragenkatalog und machen somit von unserem Bürgerrecht Gebrauch. Dieser wird sowohl an den Rat der Stadt gestellt als auch öffentlich bekannt gemacht.
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Mit freundlichen Grüßen
BI AMECKE21-für einen sanften Tourismus

von BI-Admin

Erfahrungen aus dem Ferienpark Medebach – Gespräch mit dem ehemaligen Bürgermeister Heinrich Nolte

März 18, 2013 in Ferienpark von BI-Admin

Am 10.03.2013 haben sich einige Vertreter der BI Amecke 21 mit dem ehemaligen Bürgermeister von Medebach, Herrn Nolte, getroffen. Wir haben uns direkt in das Herzstück des Center Park, das Freizeitzentrum, begeben. In einem ca. 2,5 stündigen Gespräch hat Herr Nolte uns dann einige Einzelheiten zu Planung, Bau und Betrieb des Center Parks – früher Gran Dorado Park – erzählt. Im Folgenden finden Sie ein zusammenfassendes Protokoll dieses sehr informativen Treffens:

Heinrich Nolte war 27 Jahre Stadtdirektor und Bürgermeister in Medebach. Er ist Initiator des Ferienparks in Medebach und hat 10 Jahre an der Verwirklichung des Projekts gearbeitet.

Keine Konkurrenz durch andere Ferienparks

Der Ferienpark in Medebach wurde 1995 fertiggestellt, nachdem bereits in der Planungsphase ein von der Bezirksregierung gefordertes und von der Stadt Medebach in Auftrag gegebenes wissenschaftliches Gutachten zur wirtschaftlichen Auslastung vorgelegen hatte, das sich auch heute noch in den Akten der Bezirksregierung und der Stadt Medebach  befinden muss. Danach rekrutieren sich u.a. 80% der Gäste aus einem Anfahrtsbereich zwischen 90 und 120 Minuten.  Nach der damaligen Absprache mit der Bezirksregierung sollte im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg kein weiterer Ferienpark genehmigt werden, um einen langfristigen, wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten. Diese Aussage gibt es  schriftlich und kann in den Akten der Bezirksregierung nachgelesen werden. Aber schon jetzt ist erkennbar, dass seit der Eröffnung des Landal Parks in Winterberg die Übernachtungszahlen im Center Park Medebach um ca.  100.000 zurückgegangen sind.

Ganzjährig 70% Auslastung notwendig

Grundsätzlich muss, so Herr Nolte, eine Ferienparkanlage in Medebach  zu 70% ausgelastet sein, um tatsächlich wirtschaftlich zu sein. Ohne die entsprechenden Freizeitangebote innerhalb des Parks bzw. in unmittelbarer räumlicher Nähe wird bei touristischen Anlagen im Sauerland nach dem statistischen Durchschnitt eine Auslastung von 40% erreicht.  Das Problem bei dem neuen Ferienpark in  Winterberg ist, dass es dort mangels entsprechender Freizeitangebote innerhalb des  Ferienparks bei schlechten Witterungsverhältnissen zu enorm vielen Fahrbewegungen kommt. Die Gäste müssen, um etwas unternehmen zu können, auf die vorhandenen Freizeiteinrichtungen der Umgebung zugreifen und diese sind oftmals nur mit dem Auto zu erreichen

Heute keine öffentliche Förderung mehr

Die Stadt Medebach hat damals die Erschließung des Ferienparkgeländes mit 3 Mill. DM bezuschusst, ansonsten wurden durch die Stadt Medebach keine weiteren Zuschüsse gezahlt. Es gab damals jedoch noch 12,5 % EU Mittel zur Förderung des ländlich schwachen Raumes. Bei der Beantragung dieser EU Mittel hat die Stadt Medebach die Investoren damals intensiv unterstützt. Befragt, ob es wohl u.U. für die Stadt Sundern eventuell auch uns noch unbekannte und nicht offengelegte Fördergelder geben könnte, konnte sich Herr Nolte nicht vorstellen, welche öffentliche Fördermaßnahmen für den Ferienpark ggfs. greifen könnten.

Keine Parzellierung des Parks

In Medebach wurde damals keine Parzellierung im Bebauungsplan zugelassen, d.h. ein Einzelverkauf der Häuser ist nicht erlaubt gewesen. Man hat hier bewusst darauf geachtet, dass alles in einer Hand verbleibt, damit tatsächlich eine gleichmäßige Ausbuchung erreicht werden kann. Man wollte auch keine „Rollladensiedlung“ (9 Wochen Rollladen hoch, sonst zu…) wie dies in einer reinen Ferienhaussiedlung häufig der Fall ist.

Wichtig an dem Konzept in Medebach ist der Bereich der Freizeitanlagen mit Gastronomie. Nur dieser Bereich im Zusammenhang  mit der Vermietung der Häuser führt zu einer Wirtschaftlichkeit, die allein durch die Vermietung der Häuser nicht zu erreichen ist. Außerdem bringt nur der Freizeitbereich Arbeitsplätze mit sich. Durch eine reine Vermietung der Wohneinheiten ist mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht zu rechnen.

Größtenteils lokale Investoren

Eine der größten Herausforderung war die Findung eines „echten“ Investors. Erst der sechste Kandidat entsprach den Anforderungen. Bevor man sich final für eine Investorengruppe entschieden hatte, hat sich ein Planungsstab diverse Objekte angesehen und auch mehrere potentielle Investoren überprüft. Dabei haben sich einige der „Investoren“ als s.g. Projektentwickler oder Vermittler entpuppt, die versprachen Investoren zu finden aber schon für die Vermittlung oder Konzepterstellung hohe Summen an Abwicklungsgebühren kassieren wollten. Bei Misserfolg wären sie dann wohl in der Versenkung verschwunden.  Es gab zumindest einen ausländischen Investor, der die von ihm versprochenen Referenzobjekte gar nicht vorweisen konnte.

In Medebach wurden schließlich seriöse Investoren gefunden, die zum Teil  aus dem unmittelbaren Umkreis kamen. Die Namen der Investoren wurden, auch auf deren Wunsch, von Anfang an bekannt gegeben. Das von der BI geschilderte Firmenkonstrukt des Ferienparks in Amecke weist nach Ansicht von Herrn Nolte möglicherweise gewisse Parallelen zu dem des Winterberger Oversum-Komplexes auf. Dort wurden  mehrere Gesellschaften gegründet, von denen schon jetzt kurz nach Eröffnung eine Insolvenz anmelden musste.

Herr Nolte ist der Auffassung, dass ein seriöser Investor sich präsentiert und von sich aus schon ein Interesse daran hat, der Bevölkerung bekannt gemacht zu werden.

Keine wirtschaftlichen Vorteile während der Bauphase

Versprechen, dass die Stadt bereits in der Bauphase wirtschaftliche Vorteile hat, sind haltlos, da sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, dass die Bauvorhaben oftmals durch Generalunternehmer ohne Beteiligung heimischer Unternehmen durchgeführt wurden. Avisierte hohe Bausummen (65 Millionen Euro) führen zu entsprechend hohen Krediten, die dann im schlimmsten Fall auch zu einer Insolvenz des Investors führen können. Je höher die Bausumme ausgewiesen wird, desto begeisterter sind oftmals die Einwohner, weil sie davon ausgehen, dass eine hohe Bausumme auch für eine hohe Qualität steht.

Wir möchten Herrn Nolte an dieser Stelle nochmals für das informative Gespräch danken.

Wie stellt sich die Situation aktuell in Sundern dar?

Direkte Konkurrenz durch weitere Ferienparks in der Region

Neben anderen, bereits bestehenden Ferienhausanlagen sind aktuell vier weitere Ferienparks in der Region geplant bzw. kürzlich in Betrieb gegangen:  Winterberg (200 Häuser, in Betrieb), Sundern-Amecke (ca. 220 Häuser, genehmigt), Bestwig-Andreasberg (200-250 Häuser, geplant) und Marsberg (300 Häuser, geplant). Alle Projekte verfolgen im Prinzip das gleiche Konzept und stehen somit in direkter Konkurrenz zueinander. Zwar sind im Ferienpark Amecke Freizeitanlagen geplant, so ist neben einem kombinierten Hallen- und Freibad auch eine Eislaufhalle, Indoor-Spielhalle, usw. genannt worden,  konkrete Planungen liegen aber immer noch nicht vor. Ein alternatives Gesamtkonzept, dass Sundern ein touristisches Alleinstellungsmerkmal verleihen könnte, ist allerdings nicht zu erkennen.

Wirtschaftlicher Betrieb zweifelhaft

Dass ganzjährig eine 70%-ige Auslastung des Ferienparks in Amecke bei der aktuell geplanten Form und Größe erreicht werden kann, erscheint uns sehr zweifelhaft. Es soll zwar eine Marktstudie zur Wirtschaftlichkeit vorliegen, diese ist der Öffentlichkeit aber bisher nicht vorgestellt worden. In Sundern fehlt unserer Ansicht nach vor allem im Winterhalbjahr ein entsprechendes touristisches Angebot, wie es der Winterberger Raum z.B. mit der Wintersportarena Sauerland  (80-100 Tage Skisaison!) oder der Bike-Arena Sauerland vorzuweisen hat. Der Ferienpark hebt sich in der geplanten Form nicht von anderen ab, potentielle Gäste werden daher gerade in der kalten Jahreszeit eher in die näher gelegenen Ferienparks Winterberg, Medebach, Bestwig oder Marsberg ausweichen.

Kann uns eine „Rollladensiedlung“ drohen?

Anders als in Medebach, wo auch die Häuser des Ferienpark im Besitz der Investorengruppe verblieben, deuten einige der „Referenzobjekte“ des Investors (z.B. Eifler-Tor) darauf hin, dass die Häuser unmittelbar an private Eigentümer weiterveräußert werden. Diese können das Haus dann einige Wochen im Jahr privat nutzen und stellen es für die restliche Zeit dem Betreiber zur Vermietung zur Verfügung. Welches Interesse der Investor dann nach dem Verkauf noch am längerfristigen, erfolgreichen Betrieb des Ferienparks und der Freizeitanlagen haben soll, erschließt sich uns nicht – er hat seinen Gewinn bereits gemacht.

Laut Aussage des Bürgermeisters ist das Geschäftsmodell allerdings alleinige Sache des Investors. Das sehen wir anders! Sollte der Betreiber mit der Vermietung wirtschaftlich scheitern, ist die Gefahr einer Rollladensiedlung sehr real. Man hat es dann mit einer Gruppe von 220 Privateigentümern zu tun, die mittelfristig eventuell kein gemeinsames Interesse mehr an einer Weitervermietung haben. Es stellt sich auch die Frage, wer dann für die laufende Pflege und Instandhaltung der Immobilien verantwortlich ist, was für einen Ferienpark unverzichtbar wäre. Auch könnte der Druck auf die Stadt, höhere Zuschüsse als bisher geplant für den Weiterbetrieb der Freizeitinfrastruktur zu zahlen, in einem solchen Fall deutlich steigen. Der versprochene touristische Aufschwung und der erhoffte Kaufkraftgewinn für Sundern wären dann hinfällig, das Potential am Amecker Vorbecken wäre vertan.

Regionale 2013 – Fazit der BI zur Bürgerversammlung vom 26.02.2013

März 1, 2013 in Regionale 2013 von Marion Neiteler

Für die Bürgerinitiative AMECKE 21 ist das Thema Regionale 2013 mit der Bürgerversammlung in der letzten Februarwoche beendet. Wir respektieren die Mehrheitsmeinung der Amecker Bürgerinnen und Bürger, die sich zufrieden zeigen mit den Planungen rund um das Sorpevorbecken.

Die Bürgerinitiative sieht ihre Hauptanliegen nach wie vor darin, sich für einen sanften und nachhaltigen Tourismus und damit gegen einen 20 Hektar großen Ferienpark mit 220 Häusern einzusetzen. Sollte dieser Plan tatsächlich umgesetzt werden, sind die Auswirkungen auf das dörfliche Wohnen und Leben dramatisch. Auch haben wir erhebliche Zweifel an der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit dieses Projekts (mehr dazu hier). Deshalb konzentrieren wir unsere Kräfte auf den Widerstand gegen den Park und empören uns weiterhin.

Im Nachgang zur Bürgerversammlung zur Regionale 2013 vom 26.02.2013 bat uns Matthias Schäfer von der Sunderner Redaktion der Westfalenpost (Lokalteile WP/WR sind mittlerweile absolut identisch!) drei Fragen zu beantworten. Die Fragen und unsere ungekürzten Antworten sind im Folgenden zu lesen…

1. Wie fanden Sie die Atmosphäre der gestrigen Veranstaltung?

Wir von der Bürgerinitiative „AMECKE 21 – Für einen sanften Tourismus“ fanden die Atmosphäre erfreulich sachlich. Ausdrücklich möchten wir dem Beigeordneten Herrn Kühn für die angenehme Moderation der Veranstaltung danken.

2. Sind Sie mit dem Verlauf zufrieden/Blieben noch Fragen offen?

Wir waren mit dem Verlauf zufrieden. Wir freuen uns, dass unsere naturschutzrechtlichen Bedenken Eingang in die Planungen von „Ameckes Wasser- und Atem Aktiv Airlebnisweg“ gefunden haben. Unter Marketinggesichtspunkten halten wir den Namen für zu kompliziert. Für den Einlauf der Sorpe wünschen wir uns eine ähnliche Berücksichtigung des Biotop-Katasters wie für den Bereich der Hespe. Nicht vorstellen können wir uns einen „Tropfen der Gesundheit“, der fünf Meter hoch ist und mit einer Plastikfolie überspannt wird und der gleichzeitig Toilettenanlage und Aufenthaltsbereich sein soll. Auch die Eingangstore sollen mit einer solchen Folie gestaltet werden. In beiden Fällen favorisieren wir eine Holz- oder Bruchsteinkonstruktion. Die Kostenkalkulation der Straßenverschwenkung steht unseres Erachtens auf keinem guten Fundament, weil gerade im Uferbereich unkalkulierbare Risiken entstehen können. Die Mehrkosten müssen letztlich alle Bürger der Stadt Sundern zahlen. Außerdem teilen wir die Bedenken vieler Amecker, was die Verkehrsinfrastruktur angeht. Sorge bereiten uns die Feinstaubbelastung und mögliche erhöhte Ozonwerte im Bereich des „Airlebnisweges“ sowie eine übermäßige Lärmbelästigung der Amecker Bürger in Verkehrsspitzenzeiten. Wir fordern deshalb ein überzeugendes verkehrstechnisches Gutachten für das Gesamtprojekt Regionale 2013 und Ferienpark Amecke.

3. Wie sind die Pläne der BI für die weitere Zukunft?

Wir begrüßen ausdrücklich die Verbesserung der Infrastruktur in Amecke. Wir werden unsere Sorgen weiter vortragen. Unsere Bedenken sind sorgfältig abgewogen und von hoher Verantwortung für unser Dorf. Wir hoffen, dass Bürgerbeteiligung nicht nur dann gewünscht wird, wenn sie in vollständiger Übereinstimmung zu den Projekten formuliert wird. Wir hoffen, dass Gespräche konstruktiv sind – das können sie nur sein, wenn nicht parallel Fakten geschaffen werden, die später – möglicherweise aufgrund neuer Erkenntnisse – nicht mehr rückgängig zu machen sind. Wir appellieren an die Bürger und die Politik, Fragen zu stellen. Nur so können wir herausbekommen, was wirklich das Beste für Amecke, für alle Sunderner und die Gäste ist.