Paradoxon oder Krimi?

Oktober 26, 2014 in Allgemeines, Ferienpark von Marion Neiteler

Gastkommentar von Hermann-Josef Jürgensmeier

“Wir lernen aus Erfahrung, dass die Menschen nichts aus Erfahrung lernen.”

George Bernard Shaw

Eine projektorientierte, ganz persönliche Auseinandersetzung als Abhandlung, in dessen Mittelpunkt eine interdisziplinäre Betrachtung der gesellschaftlichen Phänomene zum Planungsprozess “Ferienhausgebiet Amecke” steht.
Ein Essay als Anregung zum Dialog, als Aufforderung zum offenen Protest.

Die Stadt Sundern tut gut daran, im Sinne einer Mehrmarkenstrategie auch den Tourismus als Standbein, analog der anderen wirtschaftlich tragenden Säulen und angemessen der großen, aber z.T. noch brachliegenden Potentiale, weiter auszubauen. Auch im Hinblick auf den sich vollziehenden gesellschaftlichen Wandel, der aufgrund neuer Gewohnheiten zunehmend massive Auswirkung auf den Einzelhandel haben wird, kann dies einen wichtigen, nicht zu unterschätzenden Ausgleich bieten.
Das Stadtmarketing der Flächengemeinde Sundern in landschaftlich hervorragender und reizvoller Lage mit vielen einzigartigen Landmarken, wie dem Sorpesee, der naturräumlichen Einheit um das alte Testament oder dem Areal um Wildewiese, um nur einige zu nennen, muss daher regional und lokal die reichlich vorhandenen Chancen nutzen, optimieren und sich gezielt einen Schwerpunkt im Segment Landschaftsmarketing erarbeiten. Was ist darunter zu verstehen?
Hier einige Auszüge zur Begriffsbestimmung, zur Erläuterung:

“Landschaftsmarketing ist  die gezielte Profilierung, Inwertsetzung und Nutzung lokaler Natur- und Kulturressourcen mit Hilfe sanfter touristischer Erlebnisangebote; Landschaftsmarketing schafft einen Zugang zum besonderen Charakter einer Gegend, weckt Bewusstsein für lokale Belange und sensibilisiert für einen sorgsamen, respektvollen Umgang mit Natur und Kultur, Landschaft und Tradition; Landschaftsmarketing verknüpft ökologische und ökonomische Wertschöpfung im Tourismusmarkt der Zukunft und ist ein effizientes Instrument, eine Win-Win-Situation zwischen Naturschutz und Tourismus herzustellen.
Landschaftsmarketing baut auf das Bedürfnis des Menschen nach Naturerlebnis auf. Durch dieses Marketing wird die Landschaft interpretiert, die Alleinstellungsmerkmale einer Region herausgestellt und diese konsequent beworben. Die Landschaft wird so zum Kapital, das erhalten werden muss. Umweltbildung ist dabei ein wesentlicher Baustein des Landschaftsmarketings. Häufig müssen Augen und Ohren erst geöffnet werden, der Blick erst auf das Besondere gelenkt werden. Hier können Module der zuvor erwähnten Landschaftsinterpretation ein Erfolgsfaktor sowohl für die Besucher-gewinnung als auch für die Umweltbildung und das Regionalbewusstsein sein.
Dies setzt jedoch voraus, dass die Angebote unter Berücksichtigung bestimmter Qualitätskriterien konzipiert und umgesetzt werden. Angebote, die diese Qualitätskriterien nicht berücksichtigen, lassen unzufriedene Besucher zurück und schaden somit letztendlich der gesamten Idee, während gut gemachte Angebote meist auf eine sehr positive Besucherresonanz stoßen, die sich dann für den jeweiligen Zielort auch finanziell auszahlen.
Aus touristischen Gästebefragungen ist längst bekannt, dass Natur und Landschaft unter den Reisemotiven ganz oben rangieren, insbesondere auch im Deutschlandtourismus. Im Umkehrschluss bedeutet das fraglos: Natur- und Kulturlandschaften sind tourismuswirtschaftliches Kapital. Doch sie benötigen eine Inwertsetzung, die der Ermittlung besonderer Schätze bis zum Marketing reicht.
Nur wenn Landschaftserlebnis und Geopotenzial spannend inszeniert werden, selbstverständlich ohne dabei den Naturschutz und die Landschaftspflege zu vernachlässigen, stärken Kulturlandschaften effizient die Tourismuswirtschaft.”

Es sollte nicht Intention dieses Schreiben sein, die eklatanten Versäumnisse in Form einer Streitschrift anprangernd vorzutragen, aber das Thema ist nun einmal das private Ferienhausgebiet in Amecke und dieses ist mit all seinen bedauerlichen Begleiterscheinungen und schmerzhaften Nebenwirkungen weiterhin brandaktueller Gegenstand der öffentlichen Diskussion.

Ich habe einleitend als Prolog Anhaltspunkte einer Definition für ein für Sundern passendes Spezialmarketing angeführt. Hier wird eine erfolgversprechende, wissenschaftlich empfohlene Systematik angeschnitten, um gerade einer Stadt wie Sundern das Werkzeug für eine zukunftsweisende Gestaltung zu geben.

Aber hin zum touristischen Hauptprojekt der Stadt, dem Ferienhausgebiet am Sorpesee. Hier hat eine differenzierte Grundlagenermittlung und Analyse der reichlich vorhandenen Potentiale für ein integriertes, sanftes und damit erfolgreiches Tourismusprojekt als spezielles Marketing zum Aufbau einer Brandingmarke “pro Sundern”, leider nicht stattgefunden. Marketing für die Stadt hat mit der Planung dieses Gebiets in Amecke, wie aus dem Prolog erkennbar, nichts zu tun. Eine nur oberflächliche Grundlagenermittlung und eine winzige Prise gesunder Menschenverstand hätten gereicht, die Natur und Landschaft in vielen Bereichen der Stadt als “das Besondere” zu determinieren, als die natürliche Mitgift Sunderns herauszuarbeiten. Diese nun betroffene “Landmarke Bereich Sorpesee” ist dabei unbedingt zum “Tafelsilber” der natürlichen Aussteuer, dem Kapital der Stadt zuzuordnen. Wie bereits angeklungen: Eine  Grundlagenermittlung kann aber, aufgrund des nun in Planform gegossenen Ergebnisses niemals stattgefunden haben!

Folglich kann dieses, nicht nur im Ansatz schon falsch und nicht ausreichend überdachte, aber schon heute als Satzung festgeschriebene Projekt Ferien-haussiedlung keinen nennenswerten positiven Beitrag zu dem anfänglich angerissenen Kriterienkatalog einer zukunftsweisenden Planung leisten.

Diese planerisch gefasste Investoren-Vision eines komplett separierten und privatisierten Tourismus-Projekts ist lediglich dazu geeignet, Landschaftspotenziale und gewachsene Dorfstrukturen negativ zu verändern, ja sie sogar nachhaltig zu zerstören.

Frage: Ist die Umsetzung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans A 26 dann in seiner Gegensätzlichkeit die pure Antithese zu einer Inwertsetzung und damit eine gespenstisch drohende bauliche Zombifizierung der eigentlichen Ziele der erwähnten Win-Win-Situation? Aber ja, denn real ist die heutige Situation, in welcher der “partnerschaftlich agierende Investor”, seine eigene Bekundung zu seinem Wunschimage widerlegend, eine Doppelsieg-Strategie, ohne auch nur einen Hauch von Interessenausgleich mit den Belangen der betroffenen Öffentlichkeit fahren
konnte und auch schon angekündigt weiter so fahren wird! Das war und ist tatsächlich der Ausverkauf, ein Verschleudern von städtischem Tafelsilber! Auch wenn der Bürgermeister das abstreitet, es ist nicht zu leugnen, es stimmt!

Die vom Investor vielzitierte und hochgepriesene “Partnerschaft” sollte eigentlich auch anders gehen! Aber das ist wie in manchen Lebensgemeinschaften: Bei einigen Paaren
klappt es vorzüglich mit der Rollenverteilung Unterwürfigkeit und Dominanz. Da kann bei dem Einen die Leidensfähigkeit schon in Genuss übergehen, warum soll der Andere da nicht weiter Treue schwören, wenn` s gefällt? Kommt doch auch seinem Fetisch entgegen, lohnt sich doch, zahlt sich aus! Da ist es bis zur Zerrüttung noch lange hin. Wenn man es so sieht, hat das was von einer Win-Win-Situation! Aber in dieser Peepshow gibt es keine Lust am betrachten, die Leidensfähigkeit ist, wenn man nicht selbst ein Fetischist ist, begrenzt. Für den Bürger, der kein
Freak ist, ist es bestürzend, ein fortwährender, nicht aufhören wollender Schrecken. Ich beobachte aufmerksam, bin aber kein Voyeur. Ich empfehle die Scheidung!

Noch eine Frage: Wie konnte das passieren und was waren und sind in diesem demnächst real gebauten Desaster eigentlich die Ziele von Verwaltung und Politik?
Etwa das, was wirklich entstehen wird: Bauen als Bild einer hässlichen Verwirtschaftlichung von Einzelinteressen, eine grausig zu Stein gewordene Gewinnabsicht?!

Und noch eine Frage: Wie konnte so etwas überhaupt von der Verwaltung mit erarbeitet, vorgestellt und dann sogar von der Politik bis zum Satzungsbeschluss durchgewunken werden?
Hier wird doch eindeutig klar, welcher Wunsch, ja welche Gier die gesamte Dorfstruktur demnächst überlagert und welche handfesten kommerziellen Interessen auch die Landschaft durch Größe, Form und monotone Ausprägung des Projektes zerstören werden.

Der Intention zur vorliegenden städtebaulichen Planung und auch dem architektonischen Versprechen des Investors – beides ist eher als Drohung zu werten – werden wir nach der Realisierung deutlich ansehen können, wozu sie lediglich dienen und taugen. Auf jeden Fall ist diese kontraproduktive Planung und Bauabsicht ein Paradebeispiel für einen groben, zu Papier gebrachten Handlungsfehler und exakt das Gegenteil von modernen Dorferneuerungsbestrebungen im Rahmen eines umfassenden Stadtmarketings im vorangestellten, nachhaltigen Sinne.

Was passiert ist, was für Wim gemacht wurde: Anstatt die Dorfgemeinschaft mit einer Planung zu unterstützen, in der Funktionsüberlagerungen für mehr Leben und somit Attraktivität sorgen
sollen, wird hier in bedrohlichem Ausmaß durch die Immobilienentwickler mittels einer alles überstrahlenden Segregation, in einer geradezu kuriosen Rückprojektion im Sinne einer längst überlebten Planungsstrategie vergangener Zeiten, profitmaximierter Siedlungshorror manifestiert. Dem “lebendigen Dorf Amecke mit Zukunft”, einer gewachsenen Gemeinschaft
im Nutzungsmix von Arbeiten, Wohnen, Konsum, Produktion und Freizeit, von ständiger Verdichtung, Überlagerung und Überschreibung unterschiedlicher Tätigkeiten geprägt, als natürlicher Kompressionsort unterschiedlicher Lebensentwürfe schon immer hervorragend geeignet, wird mit “fachlicher Unterstützung” aus der eigenen Verwaltung nicht zu-, sondern gegengearbeitet.
Ein totes Dorf demnächst, per Satzungsbeschluss. Auseinandersortiert in festgeschriebener, überfrachtender Monofunktionalität, einhergehend mit dem Verlust an Lebensqualität.
Anders ausgedrückt: eine trostlose Freizeitmaschine als Struktur killender Tumor, gesellschaftspolitisch extrem fragwürdig und unsozial.

Dieses Vorhaben wird, nicht nur räumlich gesehen, schon jetzt eine ganz große, sauber-steril-monotone, eine komplett isolierte, rein additive Funktionszuschreibung für das Dorf:
Mindestens 220 (zweihundertzwanzig!) Gebäude als mehrgeschossige Ferienhäuser konzipierte Bauten (bisher!). Dazu eine vergleichende Rechnung:

  • Das bestehende Dorf hat heute lt. Wikipedia 1786 Einwohner. Bei dem demographischen Wandel bald weniger. Sagen wir aber Amecke ist vital und pendelt sich optimistisch
    bei 1760 Einwohner ein.
  • Das isolierte Ferienhausgebiet in Zahlen, nett zusammengerechnet mit robuster, belastbarer Prognose im unteren Annahmesegment: In jedem Ferienhaus der Holländer können bei
    der Zweigeschossigkeit zwei Parteien mit jeweils 4 Personen Ferien machen, bedeutet nach Adam Riese 220 Häuser x 2 Wohnungen x 4 Personen summa summarum 1760 isolierte Feriengäste!

Das ist sozioexperimenteller Surrealismus in evakuierter Form mit einem garantierten Null-Potential für positive Beiträge zu den eigentlich anzustrebenden Entwicklungsmöglichkeiten der sozialen Dynamik des Dorflebens!

Woanders klappt es doch auch, meinen Sie?! In New York gibt` s doch Chinatown und Little Italy! Ist doch schön! Ja, stimmt! Wenn die Stadt New York ebenso “erfolgreich” sein möchte wie Sundern, dann müsste die zu Amecke in Relation gebrachte holländische Exklave dort rund gerechnet sieben mal so groß sein wie die Flächengemeinde Sundern, das entspricht über 70% des gesamten Hochsauerlandkreises! Hier ständen dann für 8,2 Millionen Holländern permanent Übernachtungsmöglichkeiten bereit, exakt wissenschaftlich vergleichbar, wie in Amecke!
Ranga Yogeshwar könnte Ihnen erklären, dass hier bei exakt gleichem Verschandlungskoeffizienten jeder Holländer, vom Baby bis zum Greis, das halbe Jahr Urlaub machen müsste, um diese Kapazität auszulasten! Rechnen Sie mal nach! Da käme zum Big Apple noch Big “Oranje” Pumpkin dazu! Nix Little! Maßlosigkeit in Relation gebracht, absolut vergleichbar! Der “Sorpesee” dort entspräche dann in Relation fast der Hälfte der Landfläche des Königreichs der Niederlande, also halb Holland!

Amecke: 1760 zu 1760, zumindest diese eine Äquivalenz der Zahlen gibt es dann wohl doch! Nur sieht man dem alten Dorf noch Leben an, während die gewinnmaximierende Effizienz im Planinhalt der “Dorferweiterung unserer holländischen Partner” in der Gestalt ausgeprägt ist, dass diese Kopfgeburt an einen überdimensionierten Friedhof als letzte Deponie mir herrlich geschwungenen Reihengräbern erinnert.

Ganz schön pietätloser, ein geradezu respektloser Vergleich! Doch er passt! Und da liegt doch noch keiner, in diesem 30 ha Reihengrab-Bestattungsplan-Areal! Ich liefere sogar den Werbeslogan: Hier liegen Sie gut! Hier liegen Sie richtig! Und: Bei den vielen dunklen Geheimnissen um diesen Vorgang, liegen die Leichen nach einem sinnigen, alten Spruch bekanntlich auch im Keller!

In seiner zu erwartenden Ausführung kommt das Projekt auf jeden Fall einem Fremdkörper oder besser gesagt einem riesigen, deplazierten Raumschiff gleich, dessen Logik es ist, das Außen als lebensfeindliche Zone zu definieren – und genauso kommt das Vorhaben auch daher! Mich würde ein umschließender, hoher, undurchlässiger Zaun mit Schranke, ähnelnd einem hermetisch abgesicherten Hochsicherheitstrakt, mit Quarantäneschleuse und einer Zugangskontrolle für lebende, gesunde, garantiert nicht feindlich gesonnene, aber nur zeitlich geduldete Ferienasylanten aus den fremden Niederlanden, zur Vervollständigung und Plausibilität dieses heute vorliegenden Planungskonzeptes nicht mehr sonderlich wundern. Ich neige zu vehementer Forderung nach Inklusion, auch für Holländer! Ja, Zeichen setzen gegen Ausgrenzung. Inklusion, auch auf kurvenreichen Strecken, selbst mit Wohnwagen, aber ganz sicher und durchaus ernst gemeint hier in Amecke!

Alle sagen, die Zukunft wird bunter und gemischter! Kennen Sie die Logos zum Thema? Exklusion, Separation, Integration und Inklusion? Googlen sie mal, schauen sie genau hin. Das kann als Modell gelten, da kann der Stadtplaner und Dorfentwickler für Amecke ganz schnell dazulernen! Wim interessiert das nicht!

Warum wurde hier eigentlich genau so geplant, als ob im Paragraphenjungle der neununddreißigsten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes das zu bfürchtende Klackern von 3520 Holzschuhen oder gleich vieler, allmorgendlich pikant emittierender Käsescheiben für einheimische Bewohner als nicht verträglich eingestuft und Vorgaben zu Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen als staatlicher Zwang, unter Strafandrohung verpflichtend einzuhalten wären. So streng, drastisch und unerbittlich einzuhalten, dass als Fazit hieraus in den Planungsbestrebungen alternativlos nur genau so eine groteske, abgekapselte Satellitensiedlung zu realisieren war? Oder musste dieses gesellschaftspolitische, städtebauliche, landschaftsplanerische, ökologische, ästhetische, als auch soziologische und soziale Kuriosum etwa doch nur eine effiziente Gelddruckmaschine für einen Privatinvestor werden?

Hier wird bisher noch nicht einmal beschwichtigend versucht, unterhaltsam, erhebend ästhetisch zu veredeln, kosmetische Eingriffe würden auch gar nichts nutzen. Hier wird Klartext geschrieben: Das ist ein umfassender, interdisziplinärer Totalschaden. Hier wird mit einem in vielfacher Hinsicht monumental absurden Auftritt ein zerstörender Irrweg begangen. Das alles für einen beeindruckenden Einschnitt in das Landschaftsbild als zynische Geste und weithin sichtbares Signum für Arroganz, Macht und Unvermögen!

Ich meine, es wird ein Mahnmal! Der Bürgermeister und der Technische Beigeordnete werden auch sicherlich feierlich mit Wim den ersten Spaten versenken.
Passende Termine dafür wären Helloween (im Undertaker-Kostüm!), Totensonntag, Allerheiligen, oder der Koningsdag am 27. April im Jahre 20XX. Traditionell besuchte Beatrix früher am Koninginnedag einen Ort im Lande. Nun übernimmt Wilhelm-Alexander den Job, vielleicht kommt er ja in die Amecker Exklave.

Ja, aber da gab es doch eine Bürgerbeteiligung: “Es soll sich hinterher bitte keiner beschweren, wenn einem das Ergebnis nicht gefällt!” Das haben Sie sicher schon mal gehört oder gelesen!
Prophylaktisch wird, die “Fachleute” sich selbst entlastend, die Verantwortung schon jetzt abgeschoben: der Souverän wird Schuld sein. Seine Vertreter haben das Dilemma ja auch mehrheitlich beschlossen, dann kann der Bürger auch die Konsequenzen dieser geist- und verantwortungslosen Planung tragen!

Genau zu diesem Thema sei noch unbedingt gesagt: Es ist geradezu eine Schande, ein Unding und zugleich der perfide Ausdruck einer überheblichen Geringschätzung der Betroffenen, genau diesem Bürger eine solche Planung überhaupt vorzustellen. Es ist originäre Aufgabe dieser “Verwaltungsfachleute”, so etwas zu verhindern, schon im Keim zu ersticken! Wer solche, in Pläne gegossene Investorenallmachtsfantasien als vermeintlich fachlich qualifizierte Person, mit sich mir nicht erschließen wollender Motivation, bis in die Entscheidungsprozesse kommen lässt, hat bereits kläglich versagt und der Stadt schon allein dadurch Schaden zugefügt! Und dann sollen die betroffenen Laien in einem gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsverfahren eben diesen selben, seltsam motivierten, vermeintlich qualifizierten Fachprofis gegenübersitzend, in die politischen Entscheidungsprozesse angemessen gewichtet involviert werden? So involviert, dass Bedenken und Anregungen ernst genommen, fair abgewogen und eingearbeitet, anstatt lupenrein nach Investorenkalkül abgebügelt zu werden!
Hier wurde deutlich, der von “glaubwürdigen, bürgernahen und kompetenten Kräften” als rettender und heilsbringender Prophet eingestufte Investor, sollte im Verfahren auf keinen Fall verärgert werden. Der ist ja auch einfach zu keinem noch so kleinem gewinnschmälernden Kompromiss bereit und gegenüber seinen total überzeugenden städtischen Partnern in Verhandlungen sowieso schrecklich leidenschaftslos stur und hartnäckig – was soll man da auch machen?

Bürgerbeteiligung war, ist und bleibt ganz sicher in Amecke ein geradezu arroganter, anmaßender und selbstgefälliger Akt der Ruhigstellung, ein rein dekorativer Partizipationismus!

Es scheint aber auch dem fehlenden Bewusstsein für gesellschaftliche Belange, dem ausschweifend, überbordenden Unwissen und vielleicht auch der fehlenden Sensibilität, dem Charakter der agierenden Personen geschuldet! Mit diesem traurigen Projekt soll dann auch noch florierendes Marketing, eine unglaubliche tolle Vision einer Zukunftsperspektive in einer wirtschaftlich oranjefarben-blühenden Landschaft suggeriert werden!

Oder ziehen diese Marionetten doch nur einseitig, aber wunschgemäß “partnerschaftlich”, am Strang des holländischen Messias? Zweifel über Zweifel!

Die öffentliche Hand ließ und lässt den öffentlichen Raum nicht “profilieren und inwertsetzen”, hierzu gibt es gar kein Bewusstsein! Stattdessen lässt sie mit Hilfe antiquierter Modelle einer kommerziellen Überformung mit aufgeräumten, blitzblanken und überschaubaren Ordnungsvisionen ein ästhetisches, ein ökologisches und soziales Massaker zu! So wird nicht nur Amecke, sondern die ganze Stadt Opfer des verantwortungslosen und desorientierten touristischen Hypes einiger weniger, bornierter Personen!

Es gibt Menschen im Sauerland, die glauben, auf lokale Wertschöpfung verzichten und sich dem mittlerweile irrwitzigen Verdrängungswettbewerb ergeben zu können. THING BIG ist die Devise! Scheiß Bauernladen, blöder Metzger um die Ecke! Kleinstrukturen sind nicht sexy! Sie möchten sogar alle Dörfer am liebsten mit einem Discounter ausstatten. THING B I G ! Lieber mega und schlecht, als kleinteilig, nachhaltig und gut! Der neue Leitspruch! Wie schon gesagt: Am besten das Ganze noch ohne lokale Wertschöpfung!

Aber ist uns Bürgern wirklich die offensichtliche Überforderung der zu allererst Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik so weit egal, dass Planungen zu solch einem unakzeptabel hohen Preis, zum Schaden der Allgemeinheit einfach an private Investoren, mit all den daraus folgenden Konsequenzen abgegeben und komplett kritiklos dem Bürger aufgelastet werden?

Dieser Plan in Amecke, dieses Imitat einer suburbanen Ödnis gleicht der Kopie eines Albtraums, er ist eine Kriegserklärung der Investoren an die Stadt, gegen die Bürger von Amecke und ganz Sundern. Er beinhaltet nicht nur ein paar kleine Planungsfehler scheinbar engstirniger und willfährig devoter Verwaltungsangestellter und planender Fachtrottel, die von einer an der Stadt interessierten Politik mit Sinn für die positive Daseinsvorsorge ausgebügelt werden könnten. Nein, dieser Plan ist in sich schlüssig ein einziger, großer Planungsfehler, der auf keinen Fall ausgeführt werden darf. Dieser planerische Overkill generiert Mehrfachvernichtungskapazitäten!

Hier müssen endlich die Verantwortlichen, die diese Planung heute noch verdächtig “appellativ” verteidigen, zurückgepfiffen werden!

Genau diese Personen müssten endlich selbstkritisch Mut und Stärke beweisen, indem sie zur Vernunft kommen und zumindest ein Bewusstsein für die prekäre Lage entwickeln! Hier bedarf es dringend einer kompletten Neudefinition, einer Initiation neuer, vernunftbezogener Planungsprozesse, auch unter Berücksichtigung der sozialen Auswirkungen!

So wie es sich darstellt, ist unser holländischer “Partner” ein echtes, ausgekochtes Schlitzohr. Dieser “durchtriebene Bursch mit Absichten” ist taktisch, treffender gesagt strategisch, seinen Verhandlungspartnern auf städtischer Seite weit überlegen und baut gerissen kompromisslos geschäftstüchtig und lohnend ertragreich seine Unersättlichkeit weiter aus.

Das alles ist ein großes Versagen der Stadt. Trotz der bisher schon öffentlich bekannt gewordenen Spitze des Eisbergs, erprobt man sich fleißig weiter im havarieren.
Jetzt wird auch noch, die dem städtischen Verhandlungsgeschick geschuldete und erst möglich gemachte verschärfte Handlungsstrategie der Holländer von den verdächtigen Verantwortlichen auf städtischer Seite nicht nur tatenlos zugesehen, sondern es wird auch noch schadensetablierend zugearbeitet! Schicksal (Schicksal, von altniederländisch Schicksel, „Fakt“)! Es war aber, ganz nebenbei bemerkt, nicht von Zufällen bewirkt oder von göttlichen Mächten vorherbestimmt, also kein Schicksal, dass die Titanic unterging,
sondern geschichtlich dokumentiert, gröbste Fahrlässigkeit und Arroganz, das ist Fakt, im deutschen und altniederländischen Sinn! Nech, Wim?!

Das Drama geht weiter und lässt die Hoffnung auf Charakterstärke und Schadensbegrenzung schwinden und öffnet folglich natürlich weiter der Gerüchteküche Tür und Tor. Wahrlich ein Schrecken ohne Ende. Es bleibt abzuwarten, wann die nächste Havarie für die Öffentlichkeit bekannt gegeben wird.

Die angekündigte bauliche Verdichtung der Bebauung, d.h. 220 Gebäude x 2 Wohnungen x 4 Personen, plus, plus, plus, das bedeutet vielleicht 4.000 Holzschuhe? Vielleicht sogar 5.000 allmorgendliche Käsescheiben? +++, das ist diesmal aber kein Gütesiegel für eine hohe Qualität, sondern in dieser Form eine weitere Belastung, eine weitere Verhandlungsniederlage
der Stadt! Das ist schon wieder reichlich starker Tobak, könnte man meinen, doch da hat der Kapitän mal wieder einen Eisberg auf das Schiff steuern lassen, da hat der Schwanz mal wieder mit dem Hund gewackelt!

Diese Verdichtungsbestrebung sollte allerspätestens jetzt, für den mündigen Bürger und dessen politische Vertreter aller Parteien, der vielbesagte Tropfen sein, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt.

Was einfach nicht aufhören will maßlos zu ärgern, ist die Indifferenz der Verantwortlichen, ihre fehlende Vorstellungskraft, ihre völlig unverständliche, geradezu depressiv wirkende Hingabe an das scheinbar unabänderliche Verlangen der am Gemeinwohl komplett desinteressierten Profiteure. Das ist der eigentliche Skandal! Das ist eine vollständig unverständliche Desorientierung, dessen Ergebnis noch nicht einmal verdient, als überfauler Kompromiss mit wenigstens nuklear-winzigen Vorteilen und Gewinnen für die Stadt bezeichnet zu werden. Es ist alles wesentlich schlimmer und wird zur Krönung tatsächlich immer noch von den gleichen üblich verdächtigen Honorationen der Stadt als erfolgreiches Stadtmarketing tituliert!

Die Widersprüche sind aber vielleicht nur scheinbar unauflösbar. Jetzt spekuliert nicht nur der erfolgreiche holländische Investmann, nun “spekulieren” alle, da sich heute kein frei urteilender Bürger der Stadt Sundern noch vorstellen kann, dass bei diesem, fachlich und sachlich überhaupt nicht zu fundamentierenden Projekt, in dessen Umfeld bereits staatsanwaltschaftliche Untersuchungen laufen, alles rechtens zuging. Nur wenn diese Geschichte inhaltlich, narrativ um illegale Energien ergänzt wird, dann taugt dies zwar nicht zum Thriller, es wäre dann aber so einiges endlich plausibel zu erklären und macht insgesamt auch einen “gewissen Sinn”! Aus diesem Grunde ist einfach nachvollziehbar und durchaus verständlich, wenn in täglichen Gesprächen in der Öffentlichkeit das Handeln der beteiligten Akteure schon den Drehbuchinhalten abendfüllender Krimis über Korruption und Geldwäsche gleichkommt. Hier hört man auch die über allem schwebende Hoffnung heraus, dass auch dieses Problem, den trägen, müden und teilweise genervten Politikern zur Hilfe eilend, vielleicht auch vom Staatsanwalt gelöst werden könnte.

Erklärung für die exklavenähnliche Planungssvariante könnte ansonsten nur noch die von den Vertretern der Planungshoheit natürlich fälschlich angenommene Angst einer traditionell konservativ geprägten Bevölkerung des Sauerlands, vor einem aus der Geschichte aufgeschlossen, liberal, freiheitlich und weltoffen geprägten Seefahrervolk sein. Die haben ja alle eine “Amsterdamer Coffeeshopmentalität”! Wozu der Kabarettist sagt: “Die kiffen ja alle!” Kiffen? Und da kommt dann doch die “Neununddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, kurz 39. BImSchV, die „Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen” ins Spiel! :-) Die “Käsköppe” sind dann auch zusätzlich verschärfend noch mehrheitlich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig, von dem Rest auch noch welche protestantisch geprägt! Um Gottes willen! Jetzt verstehe ich, das kann planerisch gar nicht anders gemacht werden! Das geht sonst im Sauerland nicht gut!!

Jetzt aber mal ohne Spaß:

  • Hier geht es um schnöde Kohle, um so richtig viel Mammon für Wim! Wim = Gewinner!
  • Ob der glückliche Wim legal teilhaben lässt, ob überhaupt irgendjemand in Sundern legal mitverdienen kann, bezweifle ich. Stadt = Verlierer!
  •  Ob es wohl irgendeine lokale Wertschöpfung, bis auf schnell verklingende Minimalimpulse, außerhalb des Gettos geben wird? Stadt = Verlierer!
  • Bringt Wim`s Projekt überhaupt irgendeinen Vorteil für das Gemeinwesen? Nein! Stadt = Verlierer
  • Aber das Freibad könnte doch als Minimalkonsens sinnvoll in Wim` s Konzept eingearbeitet werden!
  • Das sollte man meinen, dieser Bürgerwunsch ist aber in den “eisenhart von der Stadt geführten Verhandlungen leider havariert und untergegangen”. Stadt = Verlierer, Wim = Gewinner!
  • Aber bitte, bitte lieber Partner Wim, nur ein ganz wenig Win-Situation für den Naturschutz und einen sanften Tourismus. Aber nicht doch! Stadt = Verlierer, Wim = Gewinner!
  • -Verwaltung und Politik sehen in Sundern keine Potentiale und verhalten sich, als wäre unsere Stadt ein Ramschladen! Glauben Sie nicht? Warten Sie ab!
    Stadt = Verlierer, Wim = Gewinner!
  • etc. Stadt = Verlierer, Wim = Gewinner!

Stadtmarketing????? Nein, bestimmt nicht! Aber Wim-Win-Win-Marketing, powered by Stadt Sundern!

So, und damit Sie nicht glauben, hier hat mal wieder jemand seinen dogmatischen Skeptizismus herausgekehrt, surfen Sie nun zur Homepage der “Stadt Sundern”. Gehen hier unter “Rathaus & Politik” zu “Stadtentwicklung & Stadtplanung”, dann weiter auf die “Interaktive Bebauungsplanübersicht”.

Wenn Sie nun Wim` s Spekulationsfläche A 26 direkt am heute noch schönen Sorpesee angeklickt in voller Größe vor sich auf dem Schirm haben, dieses Bild dann gedanklich mit über 220 mehrgeschossigen Gebäuden in exponierter Lage am See und Hang, klobige Häuser, ähnlich der schon errichteten Gebäude anderer Ferienparks, mit 440 Autos mit gelben Kennzeichen samt der dazugehörigen 1760 Gettogästen (mit 3520 klackernde Holzschuhen und morgendlich emittierenden 3520 Pikantje von Antje :)) in Verbindung bringen, dann ist die Evidenz, die offensichtliche Klarheit des Inhalts meines Schreibens doch ganz leicht nachvollziehbar!

Meinen Sie immer noch, das alles wäre übertrieben?

Schreiben Sie mir Ihre Meinung zum Amecker Projekt, ich freue mich auf den Dialog: architekt.juergensmeier@gmail.com

Anmerkung, ganz persönlich: Es geht ja auch um das Thema Urlaub! Ich habe für das nächstes Jahr schon gebucht, in Holland! In Echt!”Was tatsächlich gebaut wird, dient kommerziellen Interessen. Kommerzieller Wohnungsbau ist aber nicht sonderlich interessiert daran, Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu finden. Es geht um Profit!”

David Chipperfield, Architekt, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 4.5.14, Nr.18