14.01.2014 Quo vadis, Amecke? – Eine Stellungname zur Entwicklung in Amecke

Am vergangenen Wochenende (11.01.2014) erreichte uns unten stehende Stellungname von Dipl.-Ing. Hermann-J. Jürgensmeier zur Entwicklung in Amecke mit der Erlaubnis, diese zu veröffentlichen. An dieser Stelle vielen Dank dafür!

Die Stellungnahme wurde am 14.01.2014 in leicht gekürzter Version ebenfalls in der WP/WR veröffentlicht. Hier die unveränderte und ungekürzte Version:

Quo vadis, Amecke?

“Es ist ein schlechter Plan, der keine Änderung erlaubt”
(Publius Syrus 90-40 v.Chr.)

Der Bürgermeister wünscht jetzt von seinen Bürgern zu den Entwicklungen im touristischen Bereich eine “kritische Begleitung”, und meint das als “Einladung”, ihm persönlich diesbezüglich “eine Nachricht zu übermitteln” (Schreiben Bürgermeister, Januar, an alle Haushalte). Alle, die ich kenne, möchten aber lieber eine offene, öffentliche Debatte, in der die offensichtlich zurecht vorhandene und begründbar angebrachte Skepsis mit den Bedenken vieler nicht als Nörgelei der ewig pessimistischen Neinsager abgetan wird.  Mir gefällt überhaupt nicht, dass kritische Kommentare mit “fehlendem Hintergrundwissen” (Zitat Bürgermeister, WR 30.12.13) abgetan werden, belegt diese doch etwas überheblich wirkendende Äußerung lediglich, dass die bisherige Informationspolitik der Verantwortlichen vollkommen unzureichend war und durchaus anzunehmen ist, dass dies auch weiterhin so bleiben wird. Die in diesem Zusammenhang beklagte “Macht der Worte” ist in Wirklichkeit eine politisch selbst verursachte Sprachverwirrung. Wen wundert es, bei dem politischen Trümmerhaufen von geradezu babylonischem Ausmaß, wodurch uns aber hoffentlich nicht der Titel “Pleitestadt” auf ewig anhaftet.

Nun (gut), die Krise ist da, – aber das bietet auch eine Chance, die ergriffen werden sollte! Die bisherige Planung zum Ferienhausgebiet in Amecke und auch die schon in der Vergangenheit gebauten Ferienhausgebiete der Investoren erwecken nicht nur den Eindruck, dass hier durch Investoreneinfalt mit städtischer Unterstützung ein viel zu hoher Preis bezahlt werden soll, ja sogar die Pfründe dieses Ortsteils geopfert werden, um eine in dieser Form ganz und gar zweifelhafte Entwicklung zu fördern.

Spätestens beim jetzigen Stand der Dinge ist die Notwendigkeit, wirklich die “innere Ruhe einkehren zu lassen” (WR, s.o.), in Klausur zu gehen und durch eine vernunftorientierte Revision dieses Projektes, mittels der Planungshoheit der Stadt sinnvoll gegenzusteuern, klar und deutlich sichtbar geworden!

Läuft das “Projekt Amecke” wie bisher weiter, wird den Verantwortlichen, letztendlich auch zu ihrem eigenen Schaden, der Wille zum positiven Gestalten, zur positiven Daseinsvorsorge abgesprochen werden können! Es sollte bei der Fortführung des Projekts vor allem bedacht werden:

    • Kein Bürger will die angestrebte, viel zu hohe Gebäudezahl in diesem sensiblen Gebiet! Hier wird das für den Tourismus wichtige Landschaftsbild irreversibel, massiv negativ beeinträchtigt.
    • Kein Mensch, ob Einheimischer oder Tourist, möchte diese angedachten, woanders schon realisierten Scheußlichkeiten! Schon gar nicht möchte irgendjemand die Verschandelung der Landschaft mittels geplanter Bebauung bis an den See sehen. Keine Maßnahme der Welt vermag für solch eine Fehlplanung einen Ausgleich zu schaffen!
    • Keiner möchte demnächst, wie schon in Langscheid beim Besuch der Promenade, mehr Parkgebühren bezahlen als in der Straßburger Innenstadt!
    • Wir wollen keinen “Plastiktropfen”! Wir hätten viel lieber das unzweifelhaft denkmalwürdige Bruchsteinhaus aus der Entstehungszeit des Sees in die Planung integriert gesehen.
    • Wir wollen endlich Fahrradwege zwischen den Ortsteilen, wollen das Naherholungsgebiet Sorpesee auch per Fahrrad von überall sicher erreichen, ohne die Gefahr, hierdurch auf der letzten Seite der Zeitung zu erscheinen.
    • etc.
    • etc.

Das alles sind nachhaltig Vorteile, sowohl für die touristische Entwicklung, als auch für die einheimischen Bürger!

Liebe Volksvertreter im Rat der Stadt Sundern: Schauen sie bei ihrer nächsten Fahrt von Langscheid nach Amecke linksseitig und halten sie an der Brücke mal inne. Nutzen sie die jetzige Situation des sich nun öffnenden Fensters! Lassen sie sich nicht erpressen, ergreifen sie die Chance. Wenn Änderungen nicht möglich sind, versuchen sie das Projekt zum Wohle der Stadt zu stoppen. Es kann nur besser werden!

Dipl.-Ing. Hermann-J. Jürgensmeier
Architekt und Stadtplaner, Sundern

Wir, die Bürgerinitiative Amecke 21, begrüßen diese Stellungnahme und stehen ebenfalls hinter den hier gemachten Aussagen. Wir freuen uns über eine Aufwertung von Amecke als Erholungsort, aber ein Ferienpark dieser Größe und mit dem Charme einer urbanen Vorstadtsiedlung ist ein nicht wieder zu entfernender Fremdköper in einer Gegend, die wegen ihrer unberührten Landschaft besucht wird. Die aktuell bekannten Planungen haben nichts mit der “Idee in Dörfern, neue authentische Möglichkeiten von Tourismus in Verbindung mit behutsamen Naturerleben zu schaffen“ zu tun und sind nicht mehr zeitgemäß. Zudem haben die Entwicklungen in den letzten Wochen auch unmissverständlich gezeigt, dass Projekte dieser Größenordnung - entgegen aller vorherigen Beteuerungen – unkalkulierbare finanzielle Risiken bergen, mit negativen Auswirkungen für alle Ortsteile in Sundern.

Auch wir fordern den Bürgermeister und die Vertreter im Rat der Stadt Sundern auf, die Chance zu nutzen und ernsthaft Alternativen zu prüfen, das Projekt Amecke in kleinerem Rahmen zu realisieren – preiswerter, nachhaltig und unabhängig von niederländischen “Investoren”, sondern unter Federführung der Stadt Sundern und seiner Bürger. Dies erfordert Mut und Entschlossenheit, aber es ist noch nicht zu spät!